Archiv für Juli 2010

* Bundesprogramm für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge geht weiter

27. Juli 2010

Bundesprogramm für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge geht weiter

Die Bundesregierung hat das Bundesprogramm für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge um einen 2. Aufruf verlängert. Ziel ist es, diese Personengruppe dabei zu unterstützen, in Deutschland eine auf Dauer angelegte Arbeit zu finden. Rund 14.000 Ausländerinnen und Ausländer haben derzeit ein Bleiberecht auf Probe und können nur dauerhaft hier leben, wenn es Ihnen gelingt, bis 2011 ihren Lebensunterhalt eigenständig zu sichern.

Das Bundesprogramm läuft seit Herbst 2008 und war zunächst bis Oktober 2010 befristet. Wegen des erfolgreichen Verlaufs und der Verlängerung der gesetzlichen Regelung zu der Aufenthaltserlaubnis „auf Probe“ wurde das Programm verlängert. Aus der Zwischenevaluation des Programms geht hervor, dass bis Dezember 2009 12.300 Personen an Maßnahmen des Programms teilgenommen haben, davon wurden 22 Prozent in Arbeit oder eine duale Ausbildung vermittelt.

Das ist bemerkenswert, weil über 80 Prozent der Teilnehmenden keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. In rund 80 Prozent der Projekte werden Maßnahmen zur Vermittlung von Deutschkenntnissen, Berufs- und Arbeitsmarktberatung und psychosoziale Beratung angeboten.

Für die Umsetzung des ESF-Bundesprogramms für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge II stehen knapp 40 Millionen Euro zur Verfügung, darunter 22 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und 14 Millionen Euro aus dem Haushalt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die restlichen Mittel sollen von den beteiligten Trägern aufgebracht werden.

Das Interessenbekundungsverfahren endet mit Ablauf des 05. August 2010.

Weitere Informationen finden Sie unter
sonderprogramm__bleibeberechtigte.html

Erstmals mehr als 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland

15. Juli 2010

Pressemitteilung Nr.248 vom 14.07.2010

WIESBADEN – Im Jahr 2009 hat die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland erstmals den Wert von 16 Millionen überschritten; dies zeigen die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Zahlen aus dem Mikrozensus. Im Jahr 2005 hatte die Zahl noch bei 15,3 Millionen gelegen. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund hat entsprechend von 18,6% auf 19,6% zugenommen. Dieser Anstieg speist sich aus zwei Quellen: Von 2005 bis 2009 ist die Bevölkerung mit Migrationshintergrund durch Zuzug und Geburten um 715 000 angewachsen und die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund ist sterblichkeitsbedingt um 1,3 Millionen zurückgegangen.

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund besteht aus den seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nachkommen. Für ihre Bestimmung werden Angaben zum Zuzug nach Deutschland, zur Staatsangehörigkeit und zur Einbürgerung verwendet. Im Abstand von vier Jahren fragt der Mikrozensus auch nach dem Migrationsstatus der nicht im Haushalt lebenden Eltern. Dadurch konnte im Jahr 2005 bei 277 000 und 2009 bei 345 000 Personen ein Migrationshintergrund identifiziert werden, der in den anderen Jahren nicht erkennbar ist. Ohne Berücksichtigung dieser Personengruppe hat die Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Jahr 2009 gegenüber 2008 um 137 000 auf 15,7 Millionen zugenommen.

2009 machen die 7,2 Millionen Ausländerinnen und Ausländer 8,8% der Bevölkerung aus, die 8,5 Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund dagegen 10,4%. Gegenüber 2005 ist die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer um 96 000 zurückgegangen, die der Deutschen mit Migrationshintergrund ist um 811 000 angestiegen.

Mit 10,6 Millionen stellen die seit 1950 Zugewanderten – die „Bevölkerung mit eigener Migrationserfahrung“ – wie schon in den Vorjahren zwei Drittel aller Personen mit Migrationshintergrund; unter ihnen sind die Ausländerinnen und Ausländer mit 5,6 Millionen gegenüber den Deutschen mit 5,0 Millionen in der Mehrheit. 3,3 Millionen dieser 5,0 Millionen Deutschen geben an, als Aussiedler beziehungsweise Spätaussiedler oder als dessen Ehegatte oder Kind nach Deutschland eingereist zu sein.

Die in Deutschland geborene „Bevölkerung ohne eigene Migrationserfahrung“ verändert sich – wie schon in den Vorjahren – weiter in ihrer Zusammensetzung. Die Ausländerinnen und Ausländer dieser Gruppe stellen mit 1,6 Millionen weiterhin 2% der Bevölkerung, die 3,8 Millionen hier geborenen Deutschen mit Migrationshintergrund dagegen 4,7%.

Europa ist für die Zuwanderung nach Deutschland von besonderer Bedeutung: es stellt 70,6% der 10,6 Millionen Zuwanderer, gefolgt von Asien/Ozea­nien mit 16,4%. Aus den 27 Mitgliedsländern der Europäischen Union kommen 32,3%.

Gut 3,0 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund haben ihre Wurzeln in der Türkei, 2,9 Millionen in den Nachfolgstaaten der ehemaligen Sowjetunion, 1,5 Millionen in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens und knapp 1,5 Millionen in Polen. Die Gastarbeiter-Anwerbeländer ohne Jugoslawien und die Türkei stellen zusammen 1,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Hier haben Italien mit 830 000 vor Griechenland mit 403 000 die höchsten Werte und Portugal mit 171 000 nach Spanien mit 172 000 die niedrigsten. Mit 1,4 Millionen kommen die meisten (Spät-)Aussiedler aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion – vor allem aus der Russischen Föderation (589 000) und aus Kasachstan (483 000); daneben sind Polen (585 000) und Rumänien (233 000) wichtige Herkunftsländer.

Insgesamt 978 000 Menschen mit Migrationshintergrund lassen sich nicht eindeutig nach Herkunftsländern zuordnen, zum Beispiel weil sie die Staatsangehörigkeit vor Zuzug als (Spät-)Aussiedler nicht angegeben haben, oder weil sie als Deutsche mit beidseitigem Migrationshintergrund Eltern aus unterschiedlichen Herkunftsländern haben.

In vielen Aspekten lassen sich Unterschiede in der strukturellen Zusammensetzung der beiden Bevölkerungsgruppen mit beziehungsweise ohne Migrationshintergrund feststellen:

So sind Personen mit Migrations­hintergrund deutlich jünger als jene ohne Migrationshintergrund (34,7 gegenüber 45,6 Jahre), weitaus häufiger ledig (45,8% gegenüber 38,3%), und der Anteil der Männer unter ihnen ist höher (50,3% gegenüber 48,7%). Sie leben bevorzugt im früheren Bundesgebiet beziehungsweise in Berlin (96,2% gegenüber 81,2%). Ein fehlender allgemeiner Schulabschluss ist bei ihnen ebenso häufiger anzutreffen (14,0% gegenüber 1,8%) wie ein fehlender beruflicher Abschluss (42,8% gegenüber 19,2%).

Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 65 Jahren sind etwa doppelt so häufig erwerbslos als jene ohne (12,7% gegenüber 6,2% aller Erwerbspersonen) oder gehen ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach, zum Beispiel einem Minijob (11,5% gegenüber 7,0% aller Erwerbstätigen).

Die globale Wirtschaftskrise hat Menschen mit und ohne Migrationshintergrund getroffen. So ist die Erwerbslosenquote im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte angestiegen; allerdings hat sich gleichzeitig die Armutsgefährdung um 0,4 beziehungsweise 0,6 Prozentpunkte verringert.

Trotzdem betrifft das Armutsrisiko auch 2009 noch Menschen mit Migrationshintergrund deutlich stärker als jene ohne. 25,2% aller sogenannter „Lebensformen“ (Alleinstehende, Alleinerziehende sowie alle Paare mit und ohne Kinder) sind armutsgefährdet, wenn der Haupteinkommensbezieher einen Migrationshintergrund hat, aber nur 11,1%, wenn dies nicht der Fall ist.

Weitere Informationen bietet die Fachserie 1 Reihe 2.2 „Bevölkerung mit Migrationshintergrund“, die kostenfrei im Publikationsservice von Destatis erhältlich ist.

Weitere Auskünfte gibt:
Dr. Gunter Brückner,
Telefon: +49 611 75 4365,

E-Mail: migration@destatis.de

BMI Pressemitteilung: Zahl der Asylbewerber im ersten Halbjahr 2010 steigend – deutlich mehr Asylbewerber aus Afghanistan

9. Juli 2010

BMI-Pressemitteilung, Veröffentlicht am 09.07.2010
Thema: Asyl und Zuwanderung

Im ersten Halbjahr 2010 wurden in Deutschland 15.579 Asylerstanträge gestellt. Damit kamen im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres 3.125 Asylerstantragsteller (+ 25,1 Prozent) mehr nach Deutschland.

Nach wie vor waren Asylanträge von Irakern am häufigsten, wenn auch mit sinkender Tendenz: 2.596 Asylbewerber kamen aus dem Irak. Deutlich angestiegen sind die Asylbewerberzahlen aus Afghanistan. Wurden hier im ersten Halbjahr 2009 noch 1.120 Erstanträge gestellt, so waren es im ersten Halbjahr 2010 insgesamt 2.504 Anträge.

3.691 Personen wurde im ersten Halbjahr 2010 die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach der Genfer Flüchtlingskonvention zuerkannt. Dies entspricht einem Anteil von 18,6 Prozent aller Asylentscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in diesem Zeitraum. Zudem erhielten weitere 1.428 Antragsteller (7,2 Prozent) sog. subsidiären Schutz, z.B. weil ihnen im Herkunftsland die Todesstrafe oder Folter konkret drohten.

Mit Aufnahme dieser Menschen steht Deutschland weiterhin zu seiner humanitären Verantwortung innerhalb der Europäischen Union und der internationalen Staatengemeinschaft. Diese Verantwortung zeigt sich beispielhaft auch an der internationalen Beteiligung Deutschlands an dem humanitären Aufnahmeverfahren von besonders hilfsbedürftigen Flüchtlingen aus dem Irak, das Ende April 2010 mit der Aufnahme von 2.501 irakischen Flüchtlingen in Deutschland erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Die Zahlen im Einzelnen:

I. Erstes Halbjahr 2010

Für das erste Halbjahr 2010 ergeben sich folgende Zahlen:

In der Zeit von Januar bis Juni 2010 haben insgesamt 15.579 Personen in Deutschland Asyl beantragt. Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr (12.454) bedeutet dies eine Steigerung um 3.125 Personen (25,1 Prozent).

Die Hauptherkunftsländer in der zeit von Januar bis Juni 2010:
Nr. Land Anzahl
1. Irak 2.596
2. Afghanistan 2.504
3. Iran 952
4. Kosovo 743
5. Serbien 738
6. Türkei 676
7. Syrien 559
8. Somalia 540
9. Russ. Föderation 522
10. Vietnam 515

Neben den 15.579 Personen, die im ersten Halbjahr 2010 erstmals Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beantragt haben (Erstanträge), wurden 2.759 erneute Asylanträge (1. Halbjahr 2009: 2.815) nach Rücknahme oder Ablehnung eines früheren Asylantrags gestellt (Folgeanträge).

Im Zeitraum von Januar bis Juni 2010 hat das Bundesamt 19.867 Entscheidungen (1. Halbjahr 2009: 14.055) getroffen.

Insgesamt 3.691 Personen (18,6 Prozent) wurde die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (Genfer Flüchtlingskonvention) zuerkannt. Darunter waren 292 Personen (1,5 Prozent), die als Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes anerkannt wurden, sowie 3.399 Personen (17,1 Prozent), die Flüchtlingsschutz nach § 3 des Asylverfahrensgesetzes i.V.m. § 60 Abs. 1 des Aufenthaltsgesetzes erhielten.

Darüber hinaus hat das Bundesamt von Januar bis Juni 2010 bei 1.428 Personen (7,2 Prozent) Abschiebungsverbote gemäß § 60 Abs. 2, 3, 5 und 7 des Aufenthaltsgesetzes (sog. subsidiärer Schutz) festgestellt, z.B. weil im Herkunftsland die Todesstrafe, Folter oder andere unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung oder eine erhebliche Gefahr für Leib, Leben oder persönliche Freiheit konkret droht.

Dies ergibt bei entsprechender Aufschlüsselung nach Herkunftsländern (in Prozent):
Land Asylberechtigt
(Art. 16a GG) Flüchtlingsschutz
(§ 60 Abs. 1 AufenthG) Subsidiärer Schutz
(§ 60 Abs. 2, 3, 5, 7 AufenthG)
Irak 0,4 49,7 1,7
Afghanistan 0,3 10,4 37,9
Iran 10,1 43,2 3,2
Kosovo 0,0 0,3 3,6
Serbien 0,0 0,1 1,4
Türkei 4,0 10,9 1,0
Syrien 1,5 20,6 3,3
Somalia 0,0 74,0 15,7
Russ. Föderation 0,8 13,2 3,4
Vietnam 0,0 0,2 0,5

Abgelehnt wurden die Anträge von 10.213 Personen (51,4 Prozent). Anderweitig erledigt (z.B. durch Verfahrenseinstellungen wegen Rücknahme des Asylantrages) wurden die Anträge von 4.535 Personen (22,8 Prozent).

Die Zahl der Personen, über deren Anträge noch nicht entschieden wurde, betrug Ende Juni 2010 21.326 (17.676 Erstanträge und 3.650 Folgeverfahren).

47 Prozent der Asylbewerber aus der Russischen Föderation waren im ersten Halbjahr 2010 tschetschenischer Volkszugehörigkeit. 82 Prozent der türkischen sowie 47 Prozent der irakischen Asylbewerber waren Kurden.

II. Vergleich mit den beiden vorangegangenen Halbjahren

Der Zugang der Asylbewerber im 1. Halbjahr 2010 (15.579 Personen) ist gegenüber dem 2. Halbjahr 2009 (15.195 Personen) um 384 Personen (2,5 Prozent) und gegenüber dem 1. Halbjahr 2009 (12.454) um 3.125 Personen (25,1 Prozent) gestiegen. In den vergangenen drei Halbjahren waren jeweils folgende Herkunftsländer bei den Asylbewerbern am stärksten vertreten:
1. Halbjahr 2009 2. Halbjahr 2009 1. Halbjahr 2010
Land Anzahl Land Anzahl Land Anzahl
1. Irak 3.168 Irak 3.370 Irak 2.596
2. Afghanistan 1.120 Afghanistan 2.255 Afghanistan 2.504
3. Türkei 722 Iran 801 Iran 952
4. Kosovo 682 Kosovo 718 Kosovo 743
5. Vietnam 670 Türkei 707 Serbien 738
6. Russische Föderation 399 Russische Föderation 537 Türkei 676
7. Syrien 397 Vietnam 445 Syrien 559
8. Iran 369 Nigeria 444 Somalia 540
9. Nigeria 347 Aserbaidschan 436 Russische Föderation 522
10. Serbien 318 Syrien 422 Vietnam 515

Weiterhin am häufigsten kommen Asylbewerber aus dem Irak. Allerdings kam es im 1. Halbjahr 2010 bei 2.596 Erstanträgen gegenüber den beiden vorangegangenen Halbjahren zu einem deutlichen Rückgang (1. Halbjahr 2009: 3.168 Zugänge, 2. Halbjahr 2009: 3.370 Zugänge).

Der Vergleich des ersten Halbjahres 2010 mit den beiden vorangegangenen Halbjahren zeigt insbesondere, dass die Asylzugänge aus Afghanistan im
1. Halbjahr 2010 noch einmal leicht angestiegen sind, nachdem im 2. Halbjahr 2009 bereits ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen war. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 (1.120 Erstanträge) hat sich die Zahl der Asylzugänge aus Afghanistan im 2. Halbjahr 2009 (2.255) etwa verdoppelt und stieg im 1. Halbjahr 2010 noch einmal auf 2.504 an.

Auf Platz 3 der Hauptherkunftsländer liegt der Iran. Nachdem die Asylzugänge vom 1. Halbjahr 2009 (369 Erstanträge) zum 2. Halbjahr 2009 (801) deutlich stiegen, erhöhten sie sich im 1. Halbjahr 2010 noch einmal auf 952 Erstanträge.

Auffällig ist auch die mit 738 Erstanträgen relativ hohe Zahl der serbischen Asylbewerber im 1. Halbjahr 2010. Im 1. Halbjahr 2009 waren hier noch 318 und im 2. Halbjahr 2009 263 Erstanträge zu verzeichnen.

Auch die Zahl somalischer Asylanträge steigt deutlich an (1. Halbjahr 2009: 108, 2. Halbjahr 2009 238 und 1. Halbjahr 2010 540 Erstanträge).

III. Aktueller Monat

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge haben im Juni 2010 2.800 Personen (Vormonat: 2.343 Personen) Asyl beantragt. Damit ist die Zahl der Asylbewerber gegenüber dem Vormonat um 457 (19,5 Prozent) gestiegen. Gegenüber dem Vergleichsmonat im Vorjahr (Juni 2009: 1.952 Personen) hat sich die Zahl der Asylbewerber im Juni 2010 um 848 (43,4 Prozent) erhöht.

Hauptherkunftsländer im Juni 2010 waren:

Zum Vergleich
Nr. Land April Mai Juni
1. Irak 320 354 448
2. Afghanistan 369 334 410
3. Iran 141 156 212
4. Somalia 121 81 143
5. Kosovo 125 120 134
6. Syrien 87 89 120
7. Vietnam 87 80 117
8. Türkei 121 97 104
9. Indien 68 54 97
10. Russische Föderation 65 80 89

Neben den 2.800 Erstanträgen wurden im Juni 2010 465 Folgeanträge gestellt.

Im Juni 2010 hat das Bundesamt über die Anträge von 4.645 Personen (Vormonat: 3.800) entschieden.

Insgesamt 846 Personen (18,2 Prozent) wurde die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (Genfer Flüchtlingskonvention) zuerkannt. Darunter waren 67 Personen (1,4 Prozent), die als Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes anerkannt wurden, sowie 779 Personen (16,8 Prozent), die Flüchtlingsschutz nach § 3 des Asylverfahrensgesetzes i.V.m. § 60 Abs. 1 des Aufenthaltsgesetzes erhielten.

Darüber hinaus hat das Bundesamt im Juni 2010 bei 312 Personen (6,7 Prozent) Abschiebungsverbote gemäß § 60 Abs. 2, 3, 5 und 7 des Aufenthaltsgesetzes (sog. subsidiärer Schutz) festgestellt.

Abgelehnt wurden die Anträge von 2.535 Personen (54,6 Prozent). Anderweitig erledigt (z.B. durch Verfahrenseinstellungen wegen Rücknahme des Asylantrages) wurden die Anträge von 952 Personen (20,5 Prozent).
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Staatsministerin Böhmer legt 8. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland vor “Integration kommt voran- aber die Anstrengungen müssen noch verstärkt werden!”

7. Juli 2010

PRESSE- UND INFORMATIONSAMT DER BUNDESREGIERUNG
PRESSEMITTEILUNG NR.: 247
Mi, 07.07.2010

“Die Integration in Deutschland gewinnt an Fahrt. Bei Sprache, Bildung und Ausbildung sind Fortschritte zu verzeichnen. Dennoch gilt: Gerade im Bildungs- und Ausbildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt ist die Situation vieler Migranten nach wie vor dramatisch. Diese Großbaustellen der Integration müssen wir in den nächsten Jahren verstärkt angehen. Unser Ziel ist: Deutschland muss das Land der Aufsteiger werden!”

Das erklärte Staatsministerin Maria Böhmer anlässlich des 8. Berichts über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, den sie heute dem Bundeskabinett vorgelegt hat. Anschließend übergab die Integrations-beauftragte den Bericht an Bundestagspräsident Norbert Lammert.
“Integration ist eine Schicksalsfrage für unser Land. Mittlerweile hat etwa jedes dritte Kind unter 5 Jahren einen Migrationshintergrund. In diesem Jahrzehnt entscheidet sich,

* ob wir langfristig den sozialen Zusammenhalt sichern können,
* ob die jungen Migranten zu einer Generation der Gewinner werden,
* ob Deutschland seine Attraktivität für kluge Köpfe aus aller Welt steigern kann,
* ob wir die klugen Köpfe aus unserem Land bei uns halten können,
* ob wir unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern können,
* ob Deutschland ein weltoffenes, tolerantes, lebens- und liebenswertes Land bleibt.

“Aufhalten lässt sich der demografische Wandel nicht. Aber wir können ihn gestalten. Dafür ist es wichtig, Vielfalt noch stärker als Chance zu sehen. Es gilt, Migrantinnen und Migranten eine Perspektive in unserem Land zu bieten”, betonte Böhmer. “Die eingeleiteten Maßnahmen greifen: Das Bildungsniveau der jungen Migranten hat sich von 2005 bis 2008 erhöht. Zu einem großen Anteil besuchen Jugendliche aus Zuwandererfamilien zwar nach wie vor die Hauptschule. Der Abstand gegenüber Jugendlichen ohne Migrationshintergrund hat sich aber verringert (Rückgang der Zahl der Hauptschulabsolventen mit Migrationshintergrund von 2005 bis 2008 um 4,4 Prozent). Immer mehr jungen Migranten gelingt es, einen mittleren Abschluss (plus 0,8) oder die Fachhochschulreife oder das Abitur zu erwerben (plus 1,0).

Diese Entwicklung muss beschleunigt werden! Grundsätzlich verfügen Mädchen über bessere Bildungsergebnisse als Jungen. Alarmierend ist, dass der Anteil aller Jugendlichen ohne Abschlüsse nahezu konstant geblieben ist und Jugendliche mit Migrationshintergrund nach wie vor annähernd doppelt so häufig die Schule abbrechen wie Jugendliche ohne Migrationshintergrund.”

“Wir brauchen eine nationale Bildungsoffensive, um mehr jungen Migranten den Aufstieg zu ermöglichen. Zentrale Bedeutung kommt dem Spracherwerb von Anfang an zu. Nur wer Deutsch kann, wenn er in die Schule kommt, hat gleiche Startchancen. In den Kindergärten müssen dafür die Grundlagen gelegt werden. Noch nutzen Migranteneltern neun Prozent weniger häufig als Eltern ohne Migrationshintergrund diese Möglichkeit für ihr Kind. Um dies zu ändern, setze ich mich für ein verpflichtendes, beitragsfreies letztes Kindergartenjahr ein. Ein großer Schritt für eine gute Zukunft der Kinder und unseres Landes!” so Böhmer.

“In den Schulen muss die individuelle Förderung der jungen Migranten fortgesetzt werden. Hier sind die Länder in der Pflicht! Sie haben im Nationalen Integrationsplan zugesagt, bis 2012 das Bildungsniveau der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an den Gesamtdurchschnitt aller Schülerinnen und Schüler anzugleichen. Ich fordere die Länder auf, Schulen mit einem hohen Migrantenanteil besser auszustatten. Die Schulen müssen zu Orten der Integration werden. Dafür benötigen sie mehr Geld, mehr Lehrer und Schulsozialarbeiter sowie mehr Zeit in Form von Ganztagsschulen. Zugleich müssen wir mehr Lehrkräfte aus Zu-wandererfamilien als Brückenbauer gewinnen. Zur Zeit haben nur fünf Prozent aller Lehrkräfte einen Migrationshintergrund. Das ist angesichts der steigenden Zahl der Migrantenkinder deutlich zu wenig!”, so Böhmer.

“Für den Bildungserfolg der Kinder ist die Mitwirkung der Eltern entscheidend. Die Eltern müssen ihre Kinder motivieren, Deutsch zu lernen. Gute Deutschkenntnisse sind Voraussetzung für den Bildungserfolg in unserem Land. Eltern, die selbst noch unsicher im Umgang mit der deutschen Sprache sind, sollten einen Integrationskurs besuchen. Die Integrationskurse sind ein Erfolgsmodell: Seit 2005 haben mehr als 600.000 Migranten an einem Integrationskurs teilgenommen. Weit mehr als die Hälfte von ihnen freiwillig! Um noch mehr Eltern zu erreichen, können die Kurse jetzt auch an Kindergärten und Schulen durchgeführt werden. Auch in Zukunft muss sichergestellt sein, dass jeder, der Deutsch lernen möchte, zeitnah einen Integrationskurs besuchen kann!”, erklärte die Staatsministerin.

Einen positiven Trend gibt es laut Lagebericht bei der Ausbildungsbeteiligung von ausländischen Jugendlichen. Sie stieg 2008 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf 32,2 Prozent. Bei den Deutschen im gleichen Alter betrug die Quote 2008 68,2 Prozent. Dennoch bleiben zu viele Migranten ohne berufliche Ausbildung. Dementsprechend sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt geringer: So liegt die Arbeitslosenquote von Migranten fast doppelt so hoch wie von Deutschen ohne Migrationshintergrund (2008: 12,4 Prozent zu 6,5 Prozent).

“Integration gelingt vor allem über den Arbeitsmarkt. Umso wichtiger ist es, hier Chancengleichheit zu erreichen. Immer mehr Arbeitgeber erkennen: Die Ausbildung und Beschäftigung von Migranten ist angesichts des demografischen Wandels das Gebot der Stunde! Migranten sind die Fachkräfte von morgen. Es ist höchste Zeit, dass die Anerkennung aus-ländischer Berufsabschlüsse und Qualifikationen vorankommt. Die Eckpunkte für eine gesetzliche Regelung liegen auf dem Tisch. Jetzt sind Bund und Länder gefordert, schnellstmöglichst die notwendigen Schritte für Gesetze zur Anerkennung der Abschlüsse vorzulegen. Ein solches Anerkennungsgesetz ist die entscheidende Weichenstellung für eine bessere Integration vieler qualifizierter Zuwanderer in unserem Land!”, betonte Böhmer.

“Die wachsende Vielfalt unseres Landes muss sich auch im öffentlichen Dienst widerspiegeln. Wir brauchen mehr Fachkräfte aus Zuwandererfamilien in Kindergärten und Schulen, aber ebenso bei Polizei, bei Feuerwehr, in der Kommunalverwaltung und in den Ministerien. Bei der Ausbildung und Beschäftigung von Migranten kommt dem öffentlichen Dienst eine Vorreiterrolle zu! Im Nationalen Integrationsplan haben sich Bund und Länder verpflichtet, unter der Berücksichtigung von Eignung, Befähigung und Leistung mehr Migranten einzustellen. Dabei sind deren Sprach- und interkulturelle Kompetenzen zu berücksichtigen. Einige Länder gehen diesen Weg, und setzen sich dabei klare Zielmarken und legen entsprechende Programme auf, wie beispielsweise Hamburg. Dies unterstütze ich ausdrücklich!”, so Böhmer.

“Besonders freuen mich Ergebnisse des Berichts, wonach Migranten wirklich in unserem Land “angekommen” sind. So verfügen sie immer öfter über Wohneigentum. Etwa jeder Dritte der hier geborenen Migranten besitzt mittlerweile ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Zudem sind die Migranten der 2. Generation fast genauso häufig ehrenamtlich aktiv wie Deutsche ohne Migrationshintergrund”, so Böhmer.

“Für ein gutes Miteinander in unserem Land ist es entscheidend, dass jedem, der sich einbringen und integrieren will, die Hand gereicht wird. Wir alle sind begeistert vom Teamgeist und der Leistung der deutschen Nationalmannschaft. Ich wünsche mir über den Fußball hinaus, dass Vielfalt zum Erfolgsmodell für unser Land wird!”, betonte Böhmer.
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Stellungnahme des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit zum Berufsbildungsbericht 2010

5. Juli 2010

Von: Tina Hofmann
Anlässlich der diesjährigen Veröffentlichung des Berufsbildungsberichts 2010 hat der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit umfassend Stellung bezogen.

Die Stellungnahme nimmt eine kritische Bewertung der aktuellen Situation am Ausbildungsstellenmarkt vor und enthält umfassende Vorschläge zur Verbesserung der Ausbildungschancen für benachteiligte jungen Menschen. Die Forderungen sind an dem Ziel orientiert, “Ausbildung für Alle” zu ermöglichen. Die Stellungnahme umfasst ebenso Vorschläge zur Weiternentwicklung der Ausbildungsförderung wie auch Anregungen zur Schaffung eines kohärenten Übergangssystem von der Schule in den Beruf.

KV Positionspapier Berufsbildungsbericht 2010

Bildungslotsen

5. Juli 2010

Von: Thomas Pudelko
Mit einem Programm zur Installation bzw. Ausweitung von Bildungslotsen möchte das BMBF seine Bemühungen verstärken die Zahl der Schulabbrecher deutlich zu senken. Im Rahmen einer Verwaltunbgsvereinbarung zwischen Bundesregierung und der Bundesagentur für Arbeit wird der Einsatz von zusätzlichen “Berufseinstiegsbegleitern”, so genannten Bildungslotsen, geregelt.

Mit einem Programm zur Installation bzw. Ausweitung von Bildungslotsen

soll den

Jugendlichen eine klare Berufsperspektive aufzeigt und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung von morgen geleistet werden. Das Programm des BMBF sieht vor, weitere 1200 hauptamtliche Bildungslotsen an Haupt- und Förderschulen zu schicken, um gefährdeten Jugendlichen zu helfen. Mit diesen Bildungslosten sollen weitere 30.000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Ausgangspunkt hierfür ist eine Potenzialanalyse mit den Jugendlichen an Haupt- und Förderschulen ab der siebten Klasse. Anschließend erstellen die Berufseinstiegsbegleiter einen Förderplan, der die letzten beiden Schuljahre sowie im Fall eines erfolgreichen Abschluss eines Ausbildungsvertrags das erste Lehrjahr umfasst.

Der Einsatz der Berufseinstiegsbegleiter erfolgt in zwei Schritten: In einem ersten Schritt benennen die Länder nach entsprechenden Vorgaben des Bundes die Schulen, an die Bildungslotsen geschickt werden sollen. In einem zweiten Schritt ist vorgesehen, das Sonderprogramm Berufseinstiegsbegleitung im Rahmen eines öffentlichen Vergabeverfahrens auszuschreiben. Die Ausschreibung wird voraussichtlich im Sommer sein. Die neuen Bildungslotsen ergänzen die bereits rund 1.000 Berufseinstiegsbegleiter von der Bundesagentur für Arbeit. Außer dem Einsatz dieser hauptamtlichen, pädagogisch qualifizierten Mitarbeiter ist im Zuge der Initiative “Bildungsketten” vorgesehen, weitere 1.000 Senioren-Experten (Praktiker mit Berufsbildungserfahrung) zur Betreuung während der Berufsausbildung einzusetzen. Hierzu baut das BMBF seine bereits bestehende Kooperation mit dem Senioren Experten Service aus.

Ein bereits laufender Teil der Bildungsketten ist das Berufsorientierungsprogramm für überbetriebliche und vergleichbare Berufsbildungsstätten (BOP), das die Bundesregierung nun stark ausweitet. Hier können sich alle Träger um Beteiligung bewerben, die Erfahrung in der Erstausbildung haben. Für dieses Jahr stellt das BMBF dafür 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Neu ist die vorausgehende Potenzialanalyse, die den Jugendlichen bei Fragen wie “Wie will ich später leben und arbeiten?” und “Was kann und was will ich erreichen?” helfen soll, Antworten zu finden. Außerdem enthalten die neuen Richtlinien Erleichterungen für Antragsteller.

Weitere Information über das Programm sind über das BIBB zu erhalten.
www.bibb.de/berufsorientierung

Stellungnahme des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit zum Berufsbildungsbericht 2010

5. Juli 2010

Von: Tina Hofmann
Anlässlich der diesjährigen Veröffentlichung des Berufsbildungsberichts 2010 hat der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit umfassend Stellung bezogen.

Die Stellungnahme nimmt eine kritische Bewertung der aktuellen Situation am Ausbildungsstellenmarkt vor und enthält umfassende Vorschläge zur Verbesserung der Ausbildungschancen für benachteiligte jungen Menschen. Die Forderungen sind an dem Ziel orientiert, “Ausbildung für Alle” zu ermöglichen. Die Stellungnahme umfasst ebenso Vorschläge zur Weiternentwicklung der Ausbildungsförderung wie auch Anregungen zur Schaffung eines kohärenten Übergangssystem von der Schule in den Beruf.

KV Positionspapier Berufsbildungsbericht 2010


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